Wir haben schließlich das mit einem Preis versehen, was doch alles Leben bedingt: Nahrung, Wohnung, Fürsorge, Zugang zum Wissen. Es ist so selbstverständlich geworden, dass wir nicht mehr darüber nachdenken. Die Sageokratie stellt eine einfache Frage: Was wäre, wenn das Wesentliche nicht mehr gekauft werden müsste? Nicht aus Großzügigkeit, nicht aus Utopie — sondern weil eine Gesellschaft daran gemessen wird, was sie jedem Einzelnen garantiert, was auch geschieht.
Was ein Gemeingut bedeutet
Ein Gemeingut ist das, was allen gehört, ohne jemandem zu gehören, und dessen niemand beraubt werden kann: die Luft, das Wasser, die Böden. Die Sageokratie schlägt vor, das Lebensnotwendige hinzuzufügen — Grundnahrung, Wohnung, Pflege, Bildung, Wasser, notwendige Energie —, ebenfalls als Gemeingut organisiert, zugänglich ohne Bedingung und ohne Gegenleistung. Das ist nicht Überfluss für alle; es ist eine Schwelle der Würde, unter die niemand mehr fallen kann. Und es ist auch kein Kommunismus: Jeder behält die Güter des gewöhnlichen Lebens — seine Werkzeuge, seine Wohnung, seine Habe. Die Verschiebung betrifft nur das, wovon das Überleben abhängt.
Würde wird nicht verdient
Ein Töpfer durchlebt eine lange Krankheit. Monatelang kann er nichts herstellen. Dennoch bleibt sein Zugang zu Nahrung, Wohnung und Pflege unangetastet: Diese Ressourcen hängen nicht von seiner Tätigkeit ab. Wenn er genesen ist, nimmt er in seinem eigenen Tempo wieder auf; die Gemeinschaft musste seine Abwesenheit nicht ausgleichen — sie hat sie schlicht aufgenommen. Darin liegt der Kern des Vorhabens: Die Würde eines Menschen hängt nicht von seiner Fähigkeit ab beizutragen, sie geht ihr voraus. Man wird einwenden: Wer würde ohne Zwang noch arbeiten? Das Gegenteil ist wahrscheinlicher. Ist die Angst vor dem Mangel einmal genommen, lautet die Frage nicht mehr, was man gewinnt, sondern was Sinn hat — und die Antwort ist fast nie, nichts zu tun.
Was sich konkret ändert
Eine Gesellschaft erkennt man daran, wie sie für jene sorgt, die nicht für sich selbst sorgen können. Das Wesentliche allen von Anfang an zu garantieren, ist kein ferner Traum: Es ist eine Entscheidung der Organisation, finanziert aus bereits vorhandenen Mitteln, die schlicht auf das umgelenkt werden, was Leben trägt. Der Rest — was bereichert, weitet, vertieft — wird weiterhin anders erlangt. Doch niemand fällt mehr allein deshalb, weil er nicht zahlen kann.